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Mein Leben |
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Der Anfang oder Das Ende geschrieben 2004
Das Leben ist ein großes Meer, es gibt viele Häfen, es gibt viele verschiedene Schiffe und jedes Schiff ist für sich allein. Es gibt eine Werft, die Schiffe herstellt. Die Schiffe werden aus verschiedenen Hölzern gebaut und jedes ist auf seine besondere Art und Weise sehr schön. Jedes Schiff bekommt von der Werft eine Kiste mit geliefert, die unter Deck verstaut wird und in jeder Kiste liegen verschieden farbige Diamanten. Rote Diamanten, die ganz aus Liebe gemacht sind, weiße Diamanten, die Freundschaft enthalten, blaue Diamanten, die für Friede und Freude stehen. Nun ist es so, dass ältere Schiffe zur Werft kommen und die neuen Schiffe in Empfang nehmen. Und auch so wurde ich in Schlepptau genommen. Die Seile, die die beiden Schiffe verbinden sind sehr unterschiedlich. Manche Seile sind sehr stark und starr, andere wieder sind nur lose an den Schiffen befestigt. Und so zusammen verbunden, fahren sie nun hinaus auf das Meer. Die neuen Schiffe sind Rohlinge und nun fangen die älteren Schiffe an, sie zu beladen, anzumalen und ihnen Namen zu geben. So werden die neuen Schiffe oft ein Duplikat der alten Schiffe. Irgendwann aber werden die Taue, mit denen die Schiffe verbunden sind, mürbe und lösen sich auf. Nun fahren sie getrennt und manchmal noch viele Jahre neben einander her. Es gibt auch Taue, die lösen sich nicht auf oder werden immer wieder erneuert, so dass die neuen Schiffe niemals seetüchtig werden. Das ist sehr schade, denn so geht ein wichtiger Handelspartner für alle anderen Schiffe für immer verloren. Und so erging es mir, dass mich zwei ältere Schiffe an sich banden. Es gab auch noch zwei Geschwisterschiffe. Das eine davon schwankte sehr auf den Wellen hin und her, so dass es ständig an den älteren Schiffen anstieß. Alle sahen schon ziemlich ramponiert aus und so zerrissen die Seile. Das Andere aber habe ich nie richtig wahrgenommen, denn es versteckte sich immer hinter einem der älteren Schiffe. Irgendwann aber war auch dieses verschwunden. Ich fühlte mich sehr allein aber das Schlimmste war, dass man mir immer mehr Müll auflud. Diesen verstaute ich dann unter Deck, denn ich wusste nicht wohin damit. Nach einiger Zeit schipperte auch ich ohne Seile auf dem Wasser, denn ich hatte beschlossen, die Seile zu kappen. Zwischenzeitlich hatte ich ganz und gar meine Diamantenkiste unter Deck vergessen. Vor lauter Müll war sie kaum noch zu sehen. Und so schipperte und schipperte ich. Immer wieder kreuzten andere Schiffe meinen Weg und so tauschten wir Handelsware aus. Meistens waren es banale und unnütze Dinge, die packte ich gedankenlos mit zu dem anderen Müll. Aber manchmal, wenn auch äußerst selten, bekam ich einen Diamanten geschenkt, weiße Diamanten, ich erinnerte mich an meine Schatzkiste und legte sie zu den wenigen Anderen. Mein Schiff wurde durch den Müll immer schwerer und wenn der Wind einmal günstig blies, war ich nun nicht mehr fähig rechtzeitig meine Segel zu setzen. Ich wurde navigationslos. Mit der Zeit wurden die Gewässer, in denen ich segelte immer trüber und Nebel kamen auf. Ab und zu machte ich Rast in einem Hafen, an dem ich zufällig vorbei kam. Dort ging ich vor Anker aber ich merkte schnell, dass ich auch hier nicht wirklich willkommen war. Ein Hafen, z.B. war voller bunter Lichter und es wurde gefeiert ohne Ende. Die Lichter spiegelten sich auf dem Wasser und es sah so aus, als ob tausend Sterne tanzten. Doch bald sah ich, dass dies alles nur Illusion war. So beschloss ich meinen Anker zu lichten und fuhr wieder hinaus aufs Meer in der Hoffnung einen besseren Hafen zu finden. Der Nebel um mich herum wurde immer dichter, ich konnte kaum noch etwas wahrnehmen. Wieder landete ich in einem Hafen, doch hier war es besonders schlimm. Die Schiffe lagen kreuz und quer vor Anker. Ihre Schiffsplanken waren zersplittert und manche fingen schon an zu faulen. Einige bewarfen mich mit stinkendem Schlamm und umzingelten mich. Nur mit großer Mühe gelang mir die Flucht. Wieder auf offener See, war ich fast fahruntüchtig. Nun fing auch mein Müll unter Deck gewaltig an zu stinken und der Schlamm, mit dem ich beworfen wurde, brachte mein Schiff fast zum Kentern. So lag ich wochenlang fast regungslos auf den Wellen und ich wurde immer trauriger. Eines Nachts geschah es dann, es viel ein Stern vom Himmel direkt vor mein Steuerrad. Er leuchtete so hell, dass ich mich wieder an meine Schatzkiste unter Deck erinnerte. Ich fing sofort an zu suchen, doch blieb ich schon nach kurzer Zeit in dem Schleim stecken. Mir kam ein Gedanke, ich hatte mal etwas von einem Hafen gehört, der Müll verklappen soll. Also, machte ich mich auf den Weg. Ich setzte meine zerschlissenen Segel und nutze die leichte Brise um endlich wieder vorwärts zu kommen. Mit allerletzter Kraft schaffte ich es dann, in den besagten Hafen vor Anker zu gehen. Es wartete schon ein sehr mächtiges Schiff auf mich, es kam mir jedenfalls unwahrscheinlich mächtig vor. Das große Schiff gab mir reichlich frisches Seewasser und so konnte ich wenigstens erst einmal den äußeren Schlamm von meinen Planken abwaschen. Jetzt fühlte ich mich schon ein bisschen besser und etwas erleichtert. Doch danach fing die Arbeit erst richtig an. Langsam öffnete ich meine Luke, es stank fürchterlich und ich spielte schon mit dem Gedanken, sie wieder zu schließen. Aber immer, wenn ich den Griff von der Luke schon in der Hand hielt, erinnerte ich mich an meine Schatztruhe. "Ich will endlich wieder meine Diamanten sehen!" Dieser eine Gedanke, gab mir unendlich viel Kraft. Und ich fing an, meinen Müll zu sortieren und lud alles auf das mächtige Schiff. Was das Schiff damit machte, wusste ich nicht aber es war mir auch völlig egal, denn es ermutigte mich immer zu, noch mehr Müll abzugeben. Manchmal gelang es mir, richtig große Brocken auf einmal zu entsorgen, dann kam mein Schiff auch mal ins Schwanken und bewegte sich bedrohlich auf den Wellen von einer Seite zur Anderen und war nahe dem Kentern. Aber ich schaffte es dann doch immer wieder, nach kurzer Zeit, es ins Gleichgewicht zu bekommen. Es war harte zehrende Arbeit. Zu dieser Zeit, war ich so sehr mit meiner Müllbeseitigung beschäftigt, dass ich alles um mich herum vergaß. Ab und zu kamen Schiffe vorbei, die Mitgefühle hatten und sie gaben mir Bürsten und Brecheisen, so dass ich den Müll schneller besiegen konnte. Einmal lag ich bewegungslos auf den Wellen, so sehr erschöpft war ich. Da geschah ein Wunder! Ich wachte auf und eine Stange Dynamit lag vor meinem Steuerrad. Diese Chance ergriff ich und habe sie sofort gezündet. Ein riesen großer Berg von Müll flog mir um die Ohren und ich konnte ihn fast mühelos entsorgen. Ohne dies alles, hätte ich es wohl kaum in so kurzer Zeit geschafft, wieder seetüchtig zu werden. Ich lernte sehr viel. Wie ich eine Flaute auf offener See nutzen kann, um meine Planken zu putzen, die Segel zu flicken, die Scharniere zu ölen. Oder wie ich mich gemütlich in die nächste Brise treiben lassen kann und dadurch Kraft schöpfe für den nächsten Sturm. Wenn es Abend wird, öffne ich meine Schatztruhe und die Diamanten erhellen die Nacht. So ausgeruht bin ich bereit bei Aufwind die Segel zu setzen und auf den Wellen des Meeres zu tanzen. Nicht jeden Hafen werde ich mehr anlaufen, mit keinem Schiff mehr um die Wette fahren. Und treff ich ein Schiff, dass genauso stark und groß ist wie das Meine, wird es mir eine Freude sein, gemeinsam mit ihm auf den Wellen zu reiten, in der Hoffnung, vielleicht sogar bis zum Ziel... Gott schütze mich vor der Versuchung, ein kleineres oder schwächeres Schiff in Schlepptau zu nehmen, so dass ich unbeschädigt und mühelos meinem Ziel entgegen segeln kann. Lieber Gott, hilf mir, dass ich meine Fahrrille niemals verlasse, selbst wenn ein Sturm mich schüttelt und auf den Wellen hin und her wirft. Lass mich so gescheit sein, dass ich die Gezeiten nutze und immer bereit bin meine Segel zu setzen, wenn der Wind günstig bläst. Ich bitte dich, lass mich nie mehr navigationslos umher schippern und zeige mir deinen Weg. Schütze mich davor, vor Anker zu liegen, so dass der Fischgrund unter mir immer mehr zur Neige geht und ich somit verhungern müsste. Gib mir die Gewissheit, dass es sich lohnt über das Meer zu segeln und das Steuer immer fest in der Hand zu halten, egal was auch kommen mag. Erhalte mir den Glauben an das Licht, das mich am Ende meiner Segeltour erwartet und mich die Liebe in die Arme schließt und herzlich zu hause willkommen heißt. Ich weiß, dass es dieses Licht gibt, denn es hat den Nebel, der mich umgab aufgelöst und ich kann das offene Meer in der Sonne glitzern sehen. Darum habe ich beschlossen meinen Anker zu lichten, denn ich habe meine Schatztruhe wieder gefunden und sie geöffnet. Ich fand einen roten Diamanten, er ist noch sehr klein, doch ich will ihn hegen, pflegen und weiter verschenken. So wird er sich vermehren, genauso werde ich es mit allen anderen Diamanten auch tun. Noch heute werde ich mich auf den Weg nach Hause machen... |